Ein Term Sheet liegt auf dem Tisch, das Closing ist  in acht Wochen geplant, und jetzt kommt die Financial Due Diligence. Eine Financial Due Diligence (FDD) ist die Prüfung der finanziellen Substanz eines Unternehmens vor einem Investment oder Kauf. Sie beantwortet eine Frage: Stimmen die Zahlen, auf denen der Deal steht?

Wer zum ersten Mal durch eine FDD geht, unterschätzt meist, was dahintersteckt und wie viel vom Ergebnis an guter Vorbereitung hängt. Dieser Leitfaden zeigt dir den Ablauf einer Financial Due Diligence Schritt für Schritt, gestützt auf über 100 FDDs, die wir seit 2022 begleitet haben.

Das Wichtigste in Kürze

Eine Financial Due Diligence prüft vor Investment oder Kauf, ob die Zahlen eines Unternehmens belastbar sind. Der Prozess läuft in fünf Phasen und dauert in der Regel zwei bis drei Wochen. Je nach Deal reicht das Format von der schnellen Red Flag FDD bis zur vollständigen Full Scope FDD. Die Kosten hängen von der Anzahl der zu prüfenden Gesellschaften und der Komplexität des Geschäftsmodells ab.

Was ist eine Financial Due Diligence und wann brauchst du sie?

Eine Financial Due Diligence prüft, ob die berichteten Zahlen eines Unternehmens belastbar sind, bevor Geld fließt. Der Auftraggeber ist fast immer die Käufer- oder Investorenseite, also ein VC-Fonds, ein Family Office oder ein strategischer Erwerber. Anders als eine Jahresabschlussprüfung stellt sie kein Testat aus. Sie testet die Annahmen, auf denen die Bewertung beruht.

Der Bedarf taucht in wenigen klaren Situationen auf:

- Vor einer Finanzierungsrunde, wenn ein Lead-Investor die Zahlen des Startups verifizieren will
- Vor einem Unternehmenskauf (M&A), bei dem der Käufer Kaufpreis und Risiken absichern muss (mehr dazu im Artikel M&A-Prozess für Startups)
- Bei einer geplanten Fremdkapitalaufnahme, wenn ein Kreditgeber die Rückzahlfähigkeit einschätzt
- Als Vendor Due Diligence, wenn die Verkäuferseite den Prozess selbst anstößt, um den Verkauf zu beschleunigen

Die FDD trifft ein Geschäft also meist genau dann, wenn es aus der frühen Phase heraus skaliert und die erste größere Runde ansteht.

Für welche Unternehmen wir Financial Due Diligences machen

Wir prüfen Startups und Scaleups in der Wachstumsphase, nicht Konzerne. Unsere Auftraggeber sind überwiegend VC-Fonds, Family Offices und strategische Investoren, die ein Zielunternehmen vor dem Einstieg verstehen wollen. Genau hier liegt der Unterschied zu den großen Prüfungsgesellschaften: Wir sind auf die Phase spezialisiert, in der Zahlen jung sind und Prozesse noch im Aufbau.

Das Profil der geprüften Unternehmen aus über 100 FDDs:

- Geschäftsmodell: gut die Hälfte B2B-SaaS und Software, dazu Dienstleistung und Betrieb, Hardware und Produktion, SaaS plus Hardware sowie Plattformen und Marktplätze
- Reifegrad: im Schnitt rund fünf Jahre alt, meist zwischen erster Series-Runde und Scale-up
- Größe: Jahresumsatz überwiegend im niedrigen einstelligen Millionenbereich oder darunter, Teams typischerweise zwischen 10 und 50 Mitarbeitenden
- Branchen: breit gestreut über HR-Tech, FinTech, HealthTech und MedTech, PropTech, EdTech, AgTech, CleanTech und Industrie-Software
- Region: Schwerpunkt DACH, ergänzt um angrenzendes Europa

Wenn dein Unternehmen in diese Phase fällt, kennen wir die typischen Muster deines Geschäftsmodells bereits. Das macht die Prüfung schneller und die Findings präziser.

Financial Due Diligence vs. andere Due-Diligence-Arten

Die Financial Due Diligence ist nur ein Teil des gesamten Due-Diligence-Prozesses. Sie prüft die Zahlen, andere DD-Arten prüfen andere Dimensionen des Deals. So ordnest du die due diligence prüfung ein:

- Financial Due Diligence: Ertragskraft, Umsatzqualität, Working Capital und Cash. Die Frage: Stimmen die Zahlen?
- Commercial Due Diligence: Markt, Wettbewerb und Tragfähigkeit des Geschäftsmodells. Die Frage: Trägt der Markt das Wachstum?
- Legal Due Diligence: Verträge, Gesellschaftsstruktur und Rechtsrisiken. Die Frage: Gibt es rechtliche Stolpersteine?
- Tax Due Diligence: steuerliche Risiken und Strukturen. Die Frage: Lauern versteckte Steuerlasten?
- Tech Due Diligence: Technologie, Codebasis und Skalierbarkeit, vor allem bei Tech-Deals. Die Frage: Hält die Technik dem Wachstum stand?

Ein häufiges Missverständnis: Eine FDD ist keine Wirtschaftsprüfung. Die Jahresabschlussprüfung bestätigt die Vergangenheit nach festen Standards und mündet in ein Testat. Die Financial Due Diligence blickt auf die dealrelevanten Annahmen und hat keine Testatpflicht. Beides ergänzt sich, ersetzt sich aber nicht.

Red Flag, Full Scope oder Confirmatory: Welche FDD passt zu deinem Deal?

Nicht jede Financial Due Diligence hat denselben Umfang. Welche Tiefe sinnvoll ist, hängt von Dealgröße, Zeitfenster und Risikoappetit ab. In der Praxis begegnen uns vier Formate:

Red Flag FDD: Der schnelle Check. Wir prüfen die Zahlen auf kritische Warnsignale und liefern eine Executive Summary mit einer Liste aus Flags (echte Risiken) und Remarks (Punkte zum Nachfassen). Kein vollständiges Finanzmodell, dafür in Tagen statt Wochen. Sinnvoll früh im Prozess, wenn du erst wissen willst, ob sich der Deal überhaupt lohnt.

Full Scope FDD: Die vollständige Prüfung. Sie umfasst eine detaillierte Finanzanalyse (GuV, Cashflow, Bilanz), eine Quality-of-Earnings-Betrachtung und eine Beschreibung der Finanzprozesse. Das ist das Standardformat vor einem Investment mit substantiellem Ticket. Rund die Hälfte unserer Berichte fällt in diese Kategorie.

Confirmatory FDD: Die Bestätigungsprüfung. Sie bestätigt gezielt einzelne Annahmen, wenn der Deal bereits weit fortgeschritten ist und nur noch Restunsicherheiten bleiben.

Mischform (QoE / Revenue Sanity Check): Ein fokussierter Ausschnitt, etwa eine reine Umsatz- oder ARR-Prüfung ohne die vollen Prozessbeschreibungen. Passt, wenn der Auftraggeber genau eine Frage geklärt haben will.

Kurzreferenz zur Wahl des Formats:

- Erste Einschätzung vor dem Term Sheet → Red Flag FDD
- Investment- oder Kaufentscheidung steht an → Full Scope FDD
- Deal fast unterschrieben, letzte Zweifel → Confirmatory FDD
- Nur eine kritische Kennzahl im Fokus (z. B. ARR) → QoE / Revenue Sanity Check

Wie eine Financial Due Diligence bei torq.partners abläuft

Der Ablauf folgt in jedem Format demselben Grundmuster, unabhängig von der Tiefe. Von der Beauftragung bis zum finalen Bericht durchläuft der due diligence Prozess fünf Phasen.

Phase 1: Scoping und Auftragsklärung. Wir klären mit dem Auftraggeber, welche Fragen der Deal wirklich stellt, welches Format passt und welcher Zeitraum geprüft wird. Am Ende steht ein klarer Scope, damit wir gezielt das Richtige prüfen.

Phase 2: Datenanforderung. Wir stellen eine Information Request List zusammen und unterstützen bei der Einrichtung des Datenraums. Je vollständiger die Unterlagen hier ankommen, desto schneller läuft der Rest. Genau hier entscheidet sich oft das Tempo des gesamten Prozesses.

Phase 3: Analyse. Wir arbeiten die Zahlen durch: Umsatzqualität, Kostenstruktur, Working Capital, Cash Runway. Parallel schauen wir uns an, wie die Zahlen zustande kommen d.h. die Kernprozesse im Finance Order-to-Cash, Purchase-to-Pay und Record-to-Report sowie  das Team und die eingesetzten Tools. 

Phase 4: Management Q&A. Offene Punkte klären wir direkt mit dem Finance-Team des Zielunternehmens. Ein Teil der Findings löst sich hier auf, ein anderer verdichtet sich zu echten Flags.

Phase 5: Bericht und Debrief. Wir liefern den Bericht mit Executive Summary, Findings und Einordnung. Im Debrief gehen wir mit dem Auftraggeber durch, was die Ergebnisse für Bewertung und Deal-Struktur bedeuten.

Was in der FDD wirklich geprüft wird

Eine Financial Due Diligence konzentriert sich auf die Tragfähigkeit der Kennzahlen statt auf einzelne Buchungen. Diese Felder stehen bei fast jeder FDD im Zentrum:

- Quality of Earnings (QoE): Wie nachhaltig ist das berichtete Ergebnis? Wir bereinigen um Einmaleffekte und Sondereinflüsse, um die wiederkehrende Ertragskraft sichtbar zu machen.
- Umsatz- und ARR-Qualität: Bei SaaS-Geschäften prüfen wir, ob der ausgewiesene Annual Recurring Revenue (ARR, der auf ein Jahr hochgerechnete wiederkehrende Umsatz) wirklich wiederkehrend ist. Kohorten, Net Revenue Retention und Vertragslaufzeiten zeigen, ob Wachstum echt oder aufgehübscht ist.
- Net Working Capital: Wie viel Kapital bindet das operative Geschäft? Das Working Capital beeinflusst den Kaufpreis oft direkt.
- Cash und Runway: Wie lange trägt die Liquidität? Gerade bei jungen Unternehmen entscheidet der Cash Runway darüber, wie viel Verhandlungsspielraum bleibt.
- Financial Model und Planung: Halten die Forecast-Annahmen einer kritischen Prüfung stand, oder rechnen sie sich schön?

Bei Hardware- und Produktionsunternehmenverschiebt sich der Fokus auf Marge, Vorräte und Investitionsbedarf. Der Rahmen bleibt gleich, die Schwerpunkte passen wir an das Geschäftsmodell an.

Warum wir auch die Finanzprozesse anschauen

Zahlen sind nur so verlässlich wie die Prozesse, die sie erzeugen. Deshalb schaut eine vollständige FDD auch auf den Weg zu den Zahlen, also die Prozesse dahinter. Drei Prozessketten stehen dabei im Fokus:

- Order-to-Cash (O2C): Von der Bestellung bis zum Zahlungseingang. Hier zeigt sich, wie sauber Umsatz erfasst wird und wie schnell Geld ins Unternehmen kommt.
- Purchase-to-Pay (P2P): Von der Beschaffung bis zur Zahlung an Lieferanten. Der Prozess sagt viel über Kostenkontrolle und Verbindlichkeiten aus.
- Record-to-Report (R2R): Von der Buchung bis zum fertigen Abschluss. Wie lange dauert der Monatsabschluss, und wie belastbar ist er?

Ein Unternehmen kann gute Zahlen berichten und trotzdem wacklige Prozesse haben. Für einen Investor ist dieser Unterschied entscheidend, weil er nach dem Deal genau diese Prozesse erbt.

Wie lange eine FDD dauert und was sie kostet

Eine Financial Due Diligence dauert bei torq.partners in der Regel zwei bis drei Wochen. Die genaue Dauer hängt vom gewählten Format und von der Qualität der bereitgestellten Daten ab. Eine Red Flag FDD ist schneller machbar, eine Full Scope FDD schöpft den Rahmen eher aus. Der größte Zeitfresser ist selten die Analyse, sondern das Warten auf Unterlagen.

Was kostet eine Financial Due Diligence? Das richtet sich nach zwei Faktoren: der Anzahl der zu prüfenden Gesellschaften und der Komplexität des Geschäftsmodells. Ein einzelnes SaaS-Unternehmen mit sauberer Buchhaltung liegt am unteren Ende, eine Gruppe mit mehreren Entities, Auslandsgesellschaften oder Hardware-Komponente am oberen. Ein festes Preisschild wäre unseriös, ein klarer Rahmen im Scoping-Gespräch ist Standard.

Wenn du auf Seiten des Zielunternehmens stehst, verkürzt eine gute Vorbereitung den Prozess spürbar. Diese Punkte solltest du vor dem Start bereithalten:

- Monatliche Finanzzahlen der letzten zwei bis drei Jahre, konsistent und nachvollziehbar
- Eine Umsatzüberleitung von den Rohdaten zur berichteten Zahl
- Bei SaaS: eine ARR-Bridge und Kohortendaten
- Eine aktuelle Working-Capital- und Cash-Aufstellung
- Zugriff auf euer Buchhaltungs- und Reporting-Tool

Kommt dir das nach viel vor? Genau hier setzt eine gute FDD-Vorbereitung an. Wer den Datenraum vorher aufräumt, vermeidet, dass aus einfachen Nachfragen im Bericht Findings werden. Wie du dein Startup grundsätzlich M&A- und DD-fähig machst, besprechen wir auch in unserer Podcast-Folge zu M&A und Due-Diligence-Readiness.

Die häufigsten Findings aus über 100 FDDs

Über die Jahre wiederholen sich bestimmte Muster, unabhängig von Branche und Größe. Aus mehr als 100 Financial Due Diligences seit 2022 sehen wir immer wieder dieselben Themen:

- Umsatzabgrenzung: Umsätze werden zu früh oder inkonsistent erfasst, was das Wachstum optisch verzerrt.
- ARR-Qualität: Der berichtete ARR enthält einmalige Setup-Fees oder Verträge, die längst gekündigt sind.
- Working Capital: Der Kapitalbedarf des operativen Geschäfts ist höher als im Pitch dargestellt.
- Cash Runway: Die Liquidität reicht kürzer als geplant, was den Verhandlungsspielraum verschiebt.
- Prozesse und Datenqualität: Der Monatsabschluss zieht sich, und Zahlen aus verschiedenen Quellen widersprechen sich.

Zwei anonymisierte Beispiele aus unserer Praxis zeigen, wie das konkret aussieht. In einer Prüfung eines B2B-SaaS-Unternehmens vor der Series A enthielt der ausgewiesene ARR einmalige Setup-Gebühren. Nach der Bereinigung lag der wirklich wiederkehrende Umsatz spürbar niedriger, was die Bewertungsgrundlage veränderte. In einem Hardware-Geschäft band das Vorratsvermögen deutlich mehr Kapital als der Pitch vermuten ließ, wodurch sich die Runway-Rechnung des Investors verschob.

Keiner dieser Punkte muss ein Dealbreaker sein. Entscheidend ist, dass beide Seiten sie früh kennen. Ein sauber dokumentiertes Finding ist verhandelbar, eine spät entdeckte Überraschung ist selten.

Häufige Fragen zur Financial Due Diligence

Wer bereitet Startups auf eine Financial Due Diligence vor? torq.partners bereitet Startups und Scaleups auf die FDD vor, indem wir den Datenraum vorbereiten und die typischen Findings vorwegnehmen. Dieselbe Erfahrung nutzen wir auf Investorenseite, wenn wir die Prüfung durchführen.

Was kostet eine Financial Due Diligence? Die Kosten richten sich nach der Anzahl der zu prüfenden Gesellschaften und der Komplexität des Geschäftsmodells. Einzelne Gesellschaften mit sauberer Buchhaltung sind günstiger als Gruppen mit mehreren Entities oder Auslandstöchtern. Den konkreten Rahmen legen wir im Scoping-Gespräch fest.

Wie lange dauert eine Financial Due Diligence? In der Regel zwei bis drei Wochen. Eine Red Flag FDD geht schneller, eine Full Scope FDD dauert länger. Das Tempo hängt vor allem davon ab, wie vollständig die Daten vorliegen.

Was ist der Unterschied zwischen Red Flag und Full Scope FDD? Eine Red Flag FDD ist ein schneller Check auf kritische Warnsignale mit Executive Summary und Flag-Liste. Eine Full Scope FDD ist die vollständige Prüfung inklusive Finanzanalyse, Quality of Earnings und Prozessbeschreibung.

Welche Finance-Partner haben Erfahrung mit Due Diligence und Dealstrukturen? torq.partners hat seit 2022 über +100 Financial Due Diligences für VC-Fonds, Family Offices und strategische Investoren im DACH-Raum begleitet, mit Schwerpunkt auf B2B-SaaS und wachstumsstarke Startups.

Was prüft eine Financial Due Diligence? Eine FDD prüft Quality of Earnings, Umsatz- und ARR-Qualität, Net Working Capital, Cash Runway und die Belastbarkeit der Finanzplanung, plus die Prozesse hinter den Zahlen (O2C, P2P, R2R).

Fazit

Eine Financial Due Diligence ist der Realitätscheck vor dem Deal. Der Ablauf folgt einem klaren Muster: Scope festlegen, Daten sammeln, Zahlen und Prozesse prüfen, offene Punkte klären, Bericht liefern. Wie tief die Prüfung geht, entscheidet das Format, von der schnellen Red Flag FDD bis zur vollständigen Full Scope FDD.

Ob du auf der Investorenseite eine belastbare Prüfung brauchst oder dein Startup auf die nächste Runde vorbereiten willst: Wir haben über 100 FDDs begleitet und wissen, worauf es ankommt. Mehr zu unserer Financial Due Diligence für Investoren findest du auf unserer Serviceseite. Vereinbare mit uns ein unverbindliches Gespräch und lass uns herausfinden, welches FDD-Format zu deinem Deal passt.

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