Dieses Interview basiert auf einer Folge des torq.partners Finance Podcasts mit dem Gast Christophe Wagner, Principal bei torq.partners. Die komplette Folge ist auf Spotify und YouTube als Videopodcast verfügbar.

Christophe, du hast bei torq.partners eine Pilotgruppe ins Leben gerufen, die ein internes KI-Trainingsprogramm durchläuft. Wie sieht dein Ansatz dabei aus?

Es ist wichtig, zu verstehen, dass das Thema KI nicht einfach an einzelne Personen ausgelagert werden kann. In letzter Zeit hört man oft vom sogenannten Chief AI Officer, aber ich halte das für problematisch. KI ist kein Tool, das man nur einem Experten überlässt – es ist eine grundlegende Technologie, ähnlich wie die Elektrizität oder das Internet. Die Lernkurve dürfen wir nicht outsourcen, sondern sie betrifft alle Mitarbeitenden.

Das heißt nicht, dass es keine Enthusiast:innen geben soll, die das Thema vorantreiben und andere mitnehmen, aber am wichtigsten ist, dass alle selbst ausprobieren, experimentieren und auch Fehler machen. KI wird nicht über Nacht in der Organisation ankommen. Die Menschen müssen selbst die Erfahrung machen, die Magie spüren und verstehen, wie KI sie unterstützt.

Wie bringst du das Thema KI ins Team, ohne die Kolleg:innen zu überfordern?

Der einfachste Einstieg ist, darüber zu sprechen, wie man KI tatsächlich verwendet – also für welche Anwendungsfälle man sie nutzt. Bei uns gibt es zum Beispiel einen internen Slack-Channel mit dem Namen „Prompt and Pray“. Der Austausch ist wichtig, weil niemand allein alles über KI wissen kann. Die Technologie entwickelt sich so schnell, und die Anwendungsbereiche sind zu vielfältig. Deswegen ist es entscheidend, Erfahrungen zu teilen, etwa welche Prompts gut funktionieren.

Du hast von drei Levels der KI-Anwendung gesprochen. Kannst du diese kurz erläutern?

Level eins ist die direkte Interaktion mit KI – also das klassische Prompting, um Wissen zu gewinnen oder Texte zu generieren. Das lernt man am besten durch eigenes Ausprobieren.

Level zwei umfasst die Automatisierung von Prozessen. Ein Beispiel: Eine KI klassifiziert automatisch eingehende E-Mails, erkennt Rechnungen, Mahnungen oder Spam, und leitet sie an das passende System oder Team weiter. Hier braucht man keine ständige Interaktion mit der KI, sie übernimmt eigenständig bestimmte Arbeitsschritte. Das sind sogenannte Agenten, von denen 2025 das „Year of Agentic AI“ sein soll – auch wenn die nötige Infrastruktur noch nicht ganz ausgereift ist.

Level drei ist das Programmieren mit KI. Dabei geht es darum, KI-gestützt eigene Tools oder Lösungen zu bauen. Das ist besonders spannend für Bereiche wie die Finanzabteilung, wo man wiederkehrende Prozesse mechanisieren und als Produkt abbilden kann, anstatt sich an bestehende Software wie Projektmanagement-Tools anzupassen.

Für CFOs, die gerade erst anfangen, sich mit KI zu beschäftigen: Welche Tools sind deiner Meinung nach besonders wichtig?

Ich empfehle drei Arten von Tools:

Erstens ein vielseitiges KI-Tool wie ChatGPT, Claude oder Gemini. Damit sollte man tief arbeiten, um die Möglichkeiten zu verstehen und regelmäßig neue Features auszuprobieren.

Zweitens ein Tool, das bei der Organisation von Wissen hilft. Hier ist Obsidian ein gutes Beispiel, vor allem mit einem KI-Plugin. Obsidian zeigt die Verbindungen zwischen deinen Notizen auf und unterstützt dich dabei, besser zu reflektieren und Zusammenhänge zu erkennen. Wer es etwas visueller mag, kann auch Notion oder Tana ausprobieren.

Drittens sind Sprach-zu-Text-Tools wie Whisper oder Super Whisper sehr praktisch, gerade für CFOs, die viel unterwegs sind. Sie transkribieren nicht nur Gesprochenes, sondern können auch individuelle Prompts hinterlegen, sodass die Ergebnisse gleich formatiert und nutzbar sind. So kann man zum Beispiel unterwegs Ideen für einen LinkedIn-Post oder ein Meeting direkt festhalten.

Das klingt, als müsse man sich aktiv mit KI auseinandersetzen und nicht nur auf eine einzelne Person im Unternehmen verlassen.

Genau. KI ist eine fundamentale Veränderung, keine einfache Softwarelösung, die man delegieren kann. Alle sollten ein Gefühl dafür bekommen, wie KI ihre Arbeit unterstützt und wo die Chancen liegen. Nur so kann eine nachhaltige Transformation gelingen.

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