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Interim Management – mit Managern auf Zeit gegen den Fachkräftemangel

Matthias Sperling
1.2.2024
Lesezeit: 7 Min.

In Zeiten von Fachkräftemangel und fortschreitender Digitalisierung suchen Unternehmen vermehrt nach flexiblen Lösungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein beliebter Ansatz: Interim Management. Dieses bietet Unternehmen kurzfristigen Zugang zu Personal und Fachwissen. Auch im HR-Bereich sind Manager auf Zeit heiß begehrt.

Der Markt für Interim Manager boomt. Um Kapazitätsspitzen in Fach- und Führungspositionen überbrücken oder in Zeiten des Umbruchs schnell handeln zu können, suchen immer mehr Unternehmen nach Managern auf Zeit. Mit Ausnahme vom Einbruch im Coronajahr 2020 ist die Nachfrage nach hochqualifizierter Unterstützung im Interim-Bereich stetig gestiegen. Laut dem Branchenverband Dachgesellschaft Deutsches Interim Management e. V. (DDIM) ist dieser in 2023 auf 2,75 Mrd. Euro angewachsen. Die Auslastung lag im Jahr 2022 bei 91 Prozent – mit noch mehr Potenzial im Jahr 2023. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) suchen in Zeiten, in denen die Anforderungen an Unternehmen immer größer werden und der Fachkräftemangel auch die Führungsebene erreicht hat, verstärkt nach Interim Managern. Dies gilt auch für das Personalwesen. HR Interim Management ist hier ein oft genutztes Mittel, um den vorherrschenden Bedarf an Experten und Führungskräften zu stillen.

Was versteht man unter Interim Management?

Interim Management bezeichnet den temporären Einsatz von Personal, vorwiegend in Führungspositionen der ersten und zweiten Ebene. Interim Manager werden von Unternehmen eingestellt, um bei Projekten und Aufgaben zu unterstützen. Sie sind primär in Übergangsphasen aktiv und arbeiten dementsprechend meist an kurz- und mittelfristigen Zielen. Mit ihrer Expertise entlasten sie die Geschäftsführung und schaffen so neue Handlungsspielräume. Ihr Einsatz schließt personelle Lücken in Unternehmen und kann das Teamgefüge stabilisieren. Typischerweise dauert ihr Einsatz drei bis zwölf Monate. Eine daran anschließende längerfristige Anstellung, ein so genanntes „Try and Hire“, ist die Ausnahme. Der Ursprung des Interim Management liegt in den Niederlanden, wo es in den 70er und 80er Jahren entstand. Auch in Großbritannien setzen Unternehmen bereits seit Jahrzehnten auf die Kompetenz von Interim Managern, um strategische und operative Herausforderungen effizient angehen zu können.

Diese Herausforderungen entstehen zum Beispiel, wenn:

  • die eigenen Mitarbeiter über zu wenig Expertise für ein bestimmtes Projekt verfügen,
  • sie für einen längeren Zeitraum ausfallen,
  • sie das Unternehmen ganz verlassen,
  • sie im Tagesgeschäft unabkömmlich sind
  • und Sondersituationen wie Sanierungen, Restrukturierungen oder Übernahmen eintreten.

In ihrer Arbeit werden Interim Manager permanent mit neuen Herausforderungen konfrontiert und müssen unterschiedliche Aufgabenstellungen effektiv lösen können, um nachhaltig positive Veränderungen im Unternehmen herbeizuwirken. Hierfür sind umfangreiche Erfahrungen aus verschiedenen Branchen und Unternehmensgrößen sowie ein breites Spektrum an Fähigkeiten wichtig. Nur mit diesen können sie Strategien schnell verstehen und in kurzer Zeit Resultate erzielen. Unternehmen erwarten von Interim Managern darüber hinaus, dass sie unvoreingenommen sind und Innovation und Kreativität mitbringen. Dass ein großer Teil der Interim Manager in Deutschland diese Fähigkeiten mitbringt und bereits nach einem kurzen Onboarding für Mehrwert in Unternehmen sorgt, deutet eine Studie der Ludwig Heuse GmbH an. Laut dieser schätzen 80 Prozent der Kunden bereits nach 40 Tagen die Risiken, die Grund für das Mandat waren, als eingedämmt ein.

Quelle: eigene Darstellung

Wie viel verdient ein Interim Manager?

Die Kosten für einen Interim Manager variieren. Je nach Aufgabenstellung liegen die Tagessätze zwischen 700 und 2.500 Euro. Laut der Personalberatung EO Executives liegt der Durchschnitt in Deutschland bei 1.052 Euro. Als Faustregel lässt sich festhalten, dass der Tagessatz eines Interim Managers in etwa einem Prozent des Jahresgehalts einer ebenso qualifizierten festangestellten Person entspricht.

Zu berücksichtigen ist bei der Bewertung der Vergütung von Interim Managern, dass ein Interim Manager nur für tatsächlich erbrachte Leistungen bezahlt wird. Zusätzliche Lohnkosten, die bei einer Festanstellung anfallen, gibt es nicht. Fähige Interim Manager sorgen zudem für einen Return on Investment (ROI), der die Investition in ihre Arbeit um ein Vielfaches übersteigt. Interim Management muss im Vergleich zur Festanstellung also nicht teurer sein. Viele Unternehmen, die sich einmal für die Dienste eines Managers auf Zeit entschieden haben, werden dementsprechend zu Bestandskunden.

Interim Management als Gegenmaßnahme zum Fachkräftemangel?

Einer der Hauptgründe für den Einsatz von Interim Managern ist, dass es für Unternehmen zunehmend schwierig geworden ist, qualifizierte Mitarbeiter für zu besetzende Stellen zu finden. Dieses Phänomen, das als Fachkräftemangel bezeichnet wird, ist für zahlreiche Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen ein akutes Problem. Die Gründe für den Mangel sind vielfältig. Neben der Demografie inklusive rückläufiger Geburtenrate spielen vor allem die sich im Zuge der Digitalisierung geänderten Anforderungen an viele Stellen und die damit einhergehende Knappheit an qualifizierten Bewerbern eine entscheidende Rolle. Für Unternehmen bedeutet der Fachkräftemangel oftmals eine große Herausforderung, die zu einer Mehrbelastung des vorhandenen Personals führen und die Produktivität und Innovation behindern kann. Folge ist ein schwindendes Wachstum und im schlimmsten Fall der Verlust von wichtigen Kunden oder gar der Existenz. Laut der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management e.V. (DDIM) gibt es zudem eine wachsende Anzahl an Unternehmen, die Hilfe bei der Besetzung von Führungskräften benötigen. Die Knappheit an Fach- und Führungspersonal sorgt dafür, dass immer mehr Unternehmen nach Unterstützung durch Interim Manager suchen, um Engpässe in der Personalbeschaffung zu überbrücken.

Interim Management ist eine flexible und effektive Option, um personelle Lücken im Unternehmen zu schließen. Durch die meist schnelle Verfügbarkeit von Interim Managern können Vakanzen kurzfristig überbrückt und die benötigten Kompetenzen ins Haus geholt werden, um Projekte zu realisieren und das Teamgefüge zu stabilisieren. Organisationen müssen so nicht auf Bewerbungen warten und keinen kostspieligen Rekrutierungsprozess aufsetzen. So können sie ohne große Verzögerungen auf Herausforderungen reagieren. Aufgrund ihrer meist umfangreichen Erfahrungen und Fähigkeiten aus unterschiedlichen Branchen können Manager auf Zeit in unterschiedlichen Funktionen und in verschiedenen Abteilungen dafür sorgen, dass Engpässe in der Personalbeschaffung minimiert werden.

Was macht ein HR Interim Manager?

Auch im HR-Bereich macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar. Diesen versuchen viele Unternehmen durch HR Interim Manager zu kompensieren. Insbesondere in den Sektoren Automotive, Aerospace und Rail stoßen diese auf große Nachfrage, dicht gefolgt von Maschinen- und Anlagenbau, Pharma, Medizintechnik und Healthcare. Auch Beratungsunternehmen und Wirtschaftsprüfungskanzleien setzen auf HR-Experten auf Zeit, so die Bildungsplattform Haufe. Insgesamt ist laut Haufe in zwölf Prozent aller Interim Management Projekte HR-Expertise gefragt.

HR Interim Manager sind Experten, die mit ihrem Fachwissen fehlende HR-Kompetenzen und Kapazitäten temporär überbrücken und bei operativen Aufgaben oder bei strategischen Themen helfen. Die Fähigkeiten eines HR Interim Managers sind weit gefächert und umfassen abhängig von der individuellen Ausrichtung die folgenden Bereiche:

  • People Operations
  • Recruiting und Talentakquise  
  • Tooling
  • People Analytics
  • Projektdurchführung  
  • Change Management  
  • Merger & Acquisitions  
  • Compensation & Benefits  
  • Payroll
  • Krisenbewältigung  
  • Skalierung  
  • Implementierung von HR-Tools  
  • Verhandlungen

Neben umfassender Expertise in einigen oder mehreren der oben genannten Felder zeichnet erfolgreiche HR Interim Manager aus, dass sie zügig ein vertrauensvolles Verhältnis mit den neuen Kollegen aufbauen können. Diese soziale Fähigkeit ist insbesondere in temporären HR-Führungsrollen essentiell, um Mitarbeitende in kürzester Zeit für die Aufgaben im jeweiligen Projekt zu motivieren. Da zu dem umfangreichen Aufgabengebiet oft auch unvorhersehbare Themen hinzukommen, müssen HR Interim Manager zudem über eine gute und schnelle Auffassungsgabe verfügen.

HR Interim Manager – im Change Management besonders gefragt

Ein häufiger Grund für den Einsatz von HR Interim Managern ist die Vakanzüberbrückung. Auch bei zusätzlichem Managementbedarf sowie im Rahmen von Projektarbeit werden HR Interim Manager regelmäßig eingesetzt. Der größte Teil der Mandate im HR Interim Management liegt allerdings im Change Management. Fast die Hälfte aller Projekte haben hier diesen Fokus.

Das Change Management beschäftigt sich mit der Umsetzung von Maßnahmen, die tiefgreifende Veränderungen im Unternehmen bewirken sollen. Die Disziplin gewinnt insbesondere im Kontext der Digitalisierung und den damit verbundenen Umwälzungen der Kundengewohnheiten, Geschäftsmodelle und Marktstrukturen an Relevanz.

Wichtig bei der Umsetzung eines Change-Prozesses ist, dass Führungskräfte Strategie und Umsetzung verständlich an die Mitarbeitenden vermitteln. Hier sind HR Interim Manager mit Fach- und Führungskompetenz eine große Unterstützung.

Zudem können sie mit ihren Fähigkeiten Führungs- und Fachkräfte in den Change-Prozess einbinden sowie fehlendes internes Know-how kompensieren.

Fazit

Interim Manager sind gefragter denn je – auch im HR-Bereich. Die Gründe hierfür sind neben der fortschreitenden Digitalisierung und Technisierung vor allem die weitreichenden Folgen des Fachkräftemangels. Aufgrund dieser Einflussfaktoren sehen sich Unternehmen zusehends gezwungen, Anpassungen vorzunehmen, um am Markt erfolgreich zu bestehen. Erfahrene und professionelle Interim Manager bieten Organisationen die Möglichkeit, schnell auf Veränderungen zu reagieren und personelle Lücken zu schließen. Angesichts eines stetig dynamischer werdenden Geschäftsumfelds ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Interim Managern in den kommenden Jahren weiter steigen wird.

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