Jahresabschluss nach HGB

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Definition  

Der Jahresabschluss nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) dient dazu, die Buchführung rechnerisch für das jeweilige kaufmännische Geschäftsjahr abzuschließen. Er ist eine wichtige Verpflichtung für Unternehmen in Deutschland.  

Relevanz des Jahresabschlusses  

Der Jahresabschluss gibt relevanten Interessensgruppen wie Gläubigern oder Aktionäre einen klaren Einblick in die Geschäftsergebnisse und das Betriebsvermögen eines Unternehmens und bildet die Grundlage für die Rechnungslegung über die abgelaufene Periode. Darüber hinaus ist er die Bemessungsgrundlage für die Besteuerung und für Ausschüttungen an die Anteilseigner, zum Beispiel Dividenden. Er dient zudem zur systematischen Dokumentation der durch die Buchführung erfassten Geschäftsvorfälle sowie der finanz- und leistungswirtschaftlichen Sachverhalte. Der Jahresabschluss bildet die Grundlage für Unternehmensplanung und -entscheidungen und für die Beurteilung durch Financiers und Investoren im Rahmen von Finanztransaktionen wie Kreditvergaben und Übernahmen. Weist ein Jahresabschluss eklatante Defizite auf oder fehlt er vollständig, gilt die Buchführung nach HGB als nicht ordnungsgemäß und es können rechtliche Konsequenzen drohen.  

Unterschied zum Jahresabschluss nach IFRS  

Kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften mit Pflicht zur Konzernrechnungslegung müssen gemäß § 315e HGB neben einem Jahresabschluss nach HGB auch einen Abschluss, der den Vorschriften des „International Financial Reporting Standards“ (IFRS) genügt, erstellen.  Auch wenn diese Standards in der Regel nicht rechtlich bindend sind, sind sie Voraussetzung für die Aufnahme in Teilbereiche des regulierten Marktes wie den Prime oder General Standard. Im Gegensatz zum HGB, das mit seinen Vorschriften primär Gläubiger insolventer Unternehmen schützen möchte, fokussieren sich die IFRS auf eine faire Vergleichbarkeit der Gewinnsituation von global tätigen Unternehmen.  

Wer muss einen Jahresabschluss erstellen?  

Nach § 242 HGB sind Kaufleute und Unternehmen, die nach 238 HGB zu einer doppelten Buchführung verpflichtet sind, grundsätzlich zur Erstellung eines Jahresabschlusses verpflichtet. Als Kaufleute gelten Unternehmen, die ein Handelsgewerbe betreiben. Hierzu zählen Personengesellschaften (OHG, KG, GbR), Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, UG) und alle Organisationen, die eine Kapitalgesellschaft & Co (GmbH & Co. KG, AG & Co. KG, UG & Co. KG) sind. Einzelunternehmer müssen erst dann einen Jahresabschluss erstellen, wenn sie zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren einen Jahresumsatz von mehr als 600.000 Euro haben, eine Bilanzsumme von 350.000 Euro überschreiten oder mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigen. Fallen sie unter diese Grenze, müssen lediglich eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellen. Das gilt auch für Freiberufler und Kleingewerbetreibende, für die keine Pflicht zur Erstellung eines Jahresabschlusses besteht. Genossenschaften, Stiftungen und Vereine sind nur unter bestimmten Bedingungen dazu verpflichtet, einen rechnerischen Abschluss des Geschäftsjahres zu erstellen.

Welche Bestandteile hat ein Jahresabschluss nach HGB?  

Ein nach HGB erstellter Jahresabschluss besteht aus mindestens zwei Teilen: der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Abhängig von der Rechtsform des Unternehmens kommen zusätzliche Bestandteile hinzu. Während der Jahresabschluss bei Einzelkaufleuten und Personengesellschaften nur aus den beiden zuvor genannten Teilen besteht, müssen Kapitalgesellschaften einen Anhang und teilweise auch einen Lagebericht anfügen. Kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften müssen neben dem Anhang und dem Lagebericht noch eine Kapitalflussrechnung sowie einen Eigenkapitalspiegel anfügen. Das Anfügen eines Segmentberichts ist für sie freiwillig. Die Kapitalflussrechnung ist nach HGB im Regelfall kein Pflichtbestandteil, der handelsrechtliche Jahresabschluss nicht konzernrechnungslegungspflichtiger kapitalmarktorientierter Kapitalgesellschaften ist hier jedoch eine Ausnahme.

Was sind die Fristen für den Jahresabschluss?  

Die Fristen für das Einreichen des Jahresabschlusses beim zuständigen Finanzamt variieren abhängig von der Rechtsform und bei Kapitalgesellschaften zudem je nach Unternehmensgröße. Maßgebend sind die vom Gesetzgeber in § 243 Abs. 3 HGB für alle Kaufleute vorgegebenen Vorschriften, die für Einzelabschlüsse gelten. Für Konzernabschlüsse gelten diese ebenfalls, sofern die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung beachtet werden und Klarheit sowie Übersichtlichkeit gemäß § 297 Abs. 2 Satz 1 und 2 HGB gewährleistet sind. Für Kapitalgesellschaften wird § 243 Abs. 3 HGB in § 264 Abs. 1 HGB konkretisiert.  

Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften beträgt die ordnungsgemäße Frist sechs bis neun Monate. Diese müssen ihren Jahresabschluss also bis spätestens neun Monate nach Ende des jeweiligen Geschäftsjahres einreichen.  

Kapitalgesellschaften müssen abhängig von ihrer Größe zu unterschiedlichen Fristen den Abschluss für die vorausgegangene Geschäftsperiode erstellen. Die Größe wird dabei über drei Parameter festgelegt – die Bilanzsumme, den Umsatz und die Mitarbeiteranzahl – wobei bei mindestens zwei dieser drei Parameter der vorgegebene Wert nicht überschritten werden darf.  

So sind Kleinstkapitalgesellschaften als solche definiert, wenn zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt sind: eine Bilanzsumme von unter 350.000 Euro, ein Umsatz von unter 700.000 Euro und weniger als zehn Mitarbeiter. Unternehmen, die dieser Definition entsprechen, haben eine Frist von sechs Monaten.  

Kleine Kapitalgesellschaften müssen entweder eine Bilanzsumme von 350.000 bis sechs Millionen Euro und/oder 700.000 bis zu zwölf Millionen Euro Umsatz und/oder zehn bis 50 Mitarbeitern haben, um als solche eingestuft zu werden. Auch hier gilt eine Frist von sechs Monaten.  

Mittelgroße Kapitalgesellschaften müssen entweder eine Bilanzsumme von sechs bis 20 Millionen Euro und/oder zwölf bis 40 Millionen Euro Umsatz und/oder 50 bis 250 Mitarbeiter haben, um als solche zu gelten und haben dann eine Frist von drei Monaten.  

Auch große Kapitalgesellschaften haben eine Frist von drei Monaten. Diese zeichnen sich durch eine Bilanzsumme von über 20 Millionen Euro und/oder einen Umsatz von über 40 Millionen Euro und/oder über 250 Mitarbeiter aus.  

Entspricht das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr, ist der Jahresabschluss beispielsweise für große Kapitalgesellschaften bis zum 31. März des Folgejahres einzureichen. Ein Antrag auf Fristverlängerung ist in vielen Fällen jedoch möglich.  

Wer muss den Jahresabschluss veröffentlichen?  

Gemäß § 325 HGB sind Kapitalgesellschaften dazu verpflichtet, ihren Jahresabschluss beim Bundesanzeiger zu veröffentlichen. Hierzu zählen UGs, AGs, GmbHs, SEs, Kommanditgesellschaften und Handelsgesellschaften sowie Personengesellschaften, bei denen keine natürliche Person Vollhafter ist. Die Frist für die Veröffentlichung beträgt zwölf Monate nach Ablauf der jeweiligen Geschäftsperiode. Die konkreten Offenlegungsregelungen für die unterschiedlichen Rechtsformen finden sich in § 325 bis 329 HGB. Wenn die Offenlegung nicht fristgerecht erfolgt, ist dies ein sanktionsbewehrter Verstoß gegen das Gesetz und das Bundesamt für Justiz ist dazu berechtigt, ein Ordnungsgeld zu verhängen.  

Wie wird ein Jahresabschluss erstellt?  

Der Jahresabschluss wird bei den meisten Unternehmen durch die innerbetriebliche Buchhaltung erstellt. Verfügt der Betrieb über keine entsprechende Abteilung, werden die notwendigen Arbeitsschritte an einen Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater ausgelagert. Für die Erstellung müssen zunächst die Buchführung und die Inventur des Unternehmens abgeschlossen werden. Auf dieser Basis können im Anschluss die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Anhang erstellt werden.  

Wenn das Unternehmen nicht gesetzlich zur Prüfung verpflichtet ist, kann eine freiwillige Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer durchgeführt werden. Die Testierung der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung durch einen Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater ist in einigen Fällen gesetzlich vorgeschrieben, insbesondere für große Unternehmen.  

Nach Fertigstellung werden die Jahresabschlussdokumente vom Geschäftsführer unterschrieben und gegebenenfalls vom Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater testiert. Die Unterlagen müssen dann je nach den gesetzlichen Anforderungen beim zuständigen Registergericht eingereicht und veröffentlicht werden.

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